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Geschichte von den Brettspiel Schach


China und Indien
Die Ursprünge des Schach liegen in Indien oder China. Welches der beiden Länder genau für die Erfindung zuständig war, läßt sich heute nicht zweifelsfrei feststellen, die beiden Länder betrieben einen regen Kulturaustausch, und vermutlich haben beide Länder Beiträge zu den Regeln geleistet. Einige Geschichtsforscher favorisieren Indien, und in der Tat gibt es gute Gründe dafür, aber das könnte auch daran liegen, daß viele Forscher sich nicht die Mühe gemacht haben, ausreichend tief in die chinesische Sprache einzudringen, um Hinweise zu sammeln, die für diesen Kulturkreis sprechen. In Indien und China begann das Schach weniger als Denkübung für die Befehlshaber, als vielmehr als Zeitvertreib für die Truppen.

Persien und die arabische Welt
Die Beziehungen zwischen Persien und Indien waren vielfältig, und der Sprung von Indien nach Persien war für das Schachspiel nicht besonders schwierig, und gelang irgendwann während der Dynastie der Sassaniden. Im Gegensatz zum in Indien beliebten Viererschach setzte sich hier allerdings eine Zwei-Parteien-Variante durch. Es ist nicht klar, ob es sich dabei um eine Nebenvariante aus Indien handelte oder eine persische Eigenentwicklung war. Auf alle Fälle wurden jeweils zwei Parteien aus dem Viererschach zu einer Partei zusammengefaßt, wobei einer der beiden Könige zum Berater degradiert wurde, zum Wesir. Dieser hatte noch recht wenig Ähnlichkeit mit der heutigen Dame, er zog nur jeweils ein Feld weit, und das auch nur diagonal, der König blieb also die mächtigste Figur auf dem Brett.

Das Zweierschach kam dem Selbstbild der persischen Herrscher recht nahe, die dem Spiel zu einer dominanten Bedeutung verhalfen, die das Spiel in Indien nie erreichte. Dort nur ein Spiel unter vielen wurde es hier zum königlichen Spiel. Hier wurde die Gewohnheit entwickelt, dem König den Todesstoß zu ersparen, und sich mit einem einfachen Matt zufrieden zu geben.

In Persien wurden die Tabiyen entwickelt, bei der geringen Schrittweite der Figuren eine Möglichkeit, die langwierige Eröffnungsphase abzukürzen. Jede Tabiya läßt sich auffassen als eine Stellung, die sich nach fehlerlosen und regelgerechten Zügen aus der Grundstellung ergibt. In den allermeisten Tabiyen bleibt die Symmetrie erhalten, um sicherzustellen, daß keine Seite mit einem Nachteil ins Match geht. Anstelle der Grundstellung beginnt die Partie mit einer Tabiya, auf die sich die Kontrahenten geeinigt haben.

Nach der Islamisierung verbreitete sich das Schachspiel im gesamten Islamischen Raum. Es entwickelte sich die Kunstform der Mansuben, mittelalterliche Schachknobeleien, die häufig in eine Szenerie eingebunden waren, die durch ein Bild oder eine Erzählung dargestellt wurde. Vermutlich in dieser Phase wurde aus dem springerähnlichen indischen Streitwagen eine Figur, die sich durch eine lange Schrittweite auszeichnet. Als Vorbild galt den Persern der der Sage entnommene Vogel Roch, welcher sich bis zum nächsten Hindernis horizontal wie vertikal bewegen kann. Sein Name taucht heute noch in der Rochade auf, sowie in der englischen Figurenbezeichnung "Rook". Es handelt sich also um den heutigen Turm.

Spanien und Italien
Auf verschiedenen Wegen kam das Schachspiel nach Europa, sogar nach Deutschland. Laut Legende soll sogar Karl der Große bei seinen Verhandlungen mit Harun al Raschid in den Genuß gekommen sein. Es gehörte zum guten Ton, wenn die Ritter und Hofdamen sich mit dem Schachspiel vergnügten, und auch der Bauernstand verfügte vor dem dreißigjährigen Krieg über genügend Wohlstand, um sich dieser Freizeitbeschäftigung gelegentlich, manchmal sogar ausgiebig zu widmen. Gegen Ende des Mittelalters machte sich jedoch eine gewisse Unzufriedenheit breit über die Schwerfälligkeit der Figuren, was sich in der Entwicklung vieler Sonderregeln ausdrückte. Das führte dazu, daß der erste Turniertag von Schachturnieren dazu diente, sich über die Spielregeln zu einigen.

In diesem Chaos setzte sich die "la rabiosa" oder "die stürmische" genannte Schachvariante durch, die mit unserem heutigen Schach weitgehend identisch ist. Ihre erste Blüte erreichte sie im Spanien und Italien der Renaissance. Aus dem schwerfälligen Elefanten wurde der leichtfüßige Läufer, und der dem König untergeordnete Berater entwickelte sich, evtl unter dem Einfluß von Johanna von Orleans, zu der brettbeherrschenden Dame. Der Bauer durfte einen Schnellstart hinlegen, und der König war auf einmal schwach, anfällig und schutzbedürftig.

Das ganze Spiel hatte sich verändert. Die vielen Zugmöglichkeiten erlaubten auf einmal ein Feuerwerk von Kombinationen, eine willkommene Abwechslung zum schwerfälligen Stellungsspiel des arabischen Schachs. Die ersten Personen, die sich mit dieser neuen Variante Namen machten, waren der spanische Geistliche Juan Ramirez Lucena, der portugiesische Apotheker Pedro Damiano sowie der spanische Mönch Ruy Lopez. Sie verfaßten Lehrbücher, deren Schwerpunkt neben den Grundregeln eindeutig in der Besprechung von Eröffnungen lag. Insbesondere das Werk von Ruy Lopez galt hierbei als besonders richtungsweisend, und prägte das Schachspiel auf Jahrhunderte. Die von ihm besonders behandelte Zugfolge 1. e4 e5 2. Sf3 Sc6 3. Lb5 heißt bei uns die "spanische Eröffnung", in manchen Ländern sogar die "Ruy-Lopez-Eröffnung".

Im Jahre 1560 kam es in Rom zu der ersten Begegnung zwischen Ruy Lopez und dem italienischen Meister Leonardo da Cutri, die Lopez für sich entscheiden konnte. 1575 bekam Cutri die Gelegenheit zu einer Revanche. Zusammen mit seinem italienischen Mitstreiter Paolo Boi machte er sich auf nach Madrid. Dort trafen er im ersten internationalen Meisterschachturnier der Welt ein weiteres Mal auf Lopez, den er durch eine gute Vorbereitung diesmal schlagen konnte. Boi konnte gegen den zweiten spanischen Vertreter Alfonso Ceron ebenfalls die Oberhand behalten, und so trafen im Finale die beiden Italiener aufeinander, welches Cutri für sich entscheiden konnte. Ab diesem Zeitpunkt galt Italien als die vorherrschende Schachnation.

Frankreich und England
Das Zentrum des Schachs befand sich nun in Frankreich. Auch hier liebten die Reichen und Mächtigen das Spiel, aber ein zusätzliches Standbein für professionelle Schachspieler ergab sich aus dem Interesse der Bürgerschaft. Das bedeutete ein erhebliches Zubrot durch den Verkauf von Schachbüchern, außerdem bildeten sich Schachcafes, wie das Pariser Café de la Regence heraus, in denen die Schachspieler noch ein paar zusätzliche Münzen verdienen konnten.

Der aus Syrien stammende Philipp Stamma fand 1737 seinen Weg nach Paris. Eigentlich dem arabischen Schach verhaftet, konzentrierte er sich auf die Partiephase, die noch am meisten Ähnlichkeit mit der in der arabischen Welt gepflegten Variante hat: Das Endspiel. Er gab eine Endspielsammlung heraus, von der man heutzutage immer noch Einzelaufgaben in modernen Schachbüchern oder -zeitschriften entdecken kann.

Der erste Heroe des französischen Schachs fiel allerdings weniger durch Abenteuerlust auf dem Schachbrett auf, als durch methodische Strenge und wissenschaftliche Genauigkeit. Francois-Andre Danican Philidor hatte und verbreitete 1749 die Erkenntnis, daß das Schachspiel trotz der neuen, schnellen Regeln immer noch ein Strategiespiel war, daß der Aufbau von gesunden Strukturen und Stellungen eine Voraussetzung für den sicheren Partiegewinn war. Seine Maxime lautete: "Der Bauer ist die Seele des Schachspiels", sehr im Gegensatz zu den anderen Koryphäen seiner Zeit, die lautstark ihre gegenteilige Meinung äußerten. Aber seine Erfolge auf dem Schachbrett gaben ihm recht. Die folgenden Jahrhunderte zeigten ein ständiges Auf und Ab der Prinzipien des Positionsspiels und des Kombinationsspiels. Sein Buch "Die Analyse des Schachspiels" zeichnet sich durch die Besprechung und Erläuterung von vollständigen Partien unter Berücksichtigung von Nebenvarianten aus.

Deutschland und Österreich
Die englische Vorherrschaft im Schach währte nur kurz. Ein Wettkampf von Howard Staunton markierte ihren Beginn, ein anderer markierte ihr Ende. Im Jahr 1851 veranstaltete der Londoner St. Georges Club ein KO-Turnier mit 16 europäischen Meistern. Haushoher Favorit war Howard Staunton, der auch in der Organisation des Turniers beteiligt war. Im Halbfinale scheiterte er jedoch an dem Breslauer Mathematikprofessor Adolf Anderssen, der anschließend auch das Turnier für sich entscheiden konnte. Adolf Anderssen war ein Meister des Kombinationsspiels. Seine berühmtesten Partien waren die unsterbliche Partie und die immergrüne Partie, in denen er durch hohe Materialopfer den Sieg erringen konnte. Bis zu dem kurzen Auftauchen des US-Amerikaners Paul Morphy galt er als der beste Schachspieler der Welt, nachdem Morphy sich nach kurzer Zeit wieder vom Weltschach verabschiedete, konnte er diesen Ruf wieder für sich in Anspruch nehmen.

Im Jahre 1866 mußte er sich aber endgültig von der absoluten Spitze verabschieden, als er den Ruf des "weltbesten Schachspielers" in einem Wettkampf an den Österreicher Wilhelm Steinitz abgeben mußte. Steinitz vervollkommnete die Erkenntnisse von Philidor bezüglich des Positionsspiel, und betonte den Wert des Läuferpaares in offenen Stellungen. Im Jahre 1886, einige Jahre nach dem Tod von Anderssen, fand die erste offizielle Schachweltmeisterschaft statt, die Steinitz für sich entscheiden konnte. Trotzdem blieb Deutschland eine Großmacht im Schach: Die direkten Verfolger von Steinitz waren zunächst Louis Paulsen und vor allem der Anderssen-Schüler Johannes Hermann Zukertort, der aus Polen nach Preussen eingewandert war. Nach einiger Zeit kamen Siegbert Tarrasch und Emanuel Lasker hinzu. Lasker war es dann auch, der ihm 1894 den Titel abnehmen konnte, indem er Steinitz mit seinen eigenen Waffen schlug.

Russland und die Sowjetunion
Mit Petrow, Tschigorin, Bogoljubow und Aljechin hat Russland schon zu zaristischer Zeit vier hochkarätige Schachspieler beigesteuert. Nach der Oktoberrevolution emigrierte Aljechin nach Frankreich, und konnte 1927 dank intensiver Vorbereitung die Weltmeisterschaft für sich entscheiden. 1935 verlor er den Titel überraschend an den Niederländer Max Euwe, konnte ihn aber 1937 im vereinbarten Revanchematch wiedergewinnen, und behielt ihn bis zu seinem Tode im Jahre 1946.

Mit Aljechins Tod kam es zu zwei tiefgreifenden Veränderungen im Schach. Zunächst oblag die Zustimmung zu einem Weltmeisterschaftskampf nicht länger dem Weltmeister, sondern wurde von der Weltschachorganisation FIDE reglementiert. Der Weltmeister konnte seinen Titel also nicht länger erhalten, indem er seinen schärfsten Konkurrenten einfach auswich, sondern mußte seinen Titel jetzt verteidigen.

Die zweite Änderung hatte ihre Ursache darin, daß die Sowjetunion dem Schachspiel ihr besonderes Augenmerk widmete, und vielversprechende Schachspieler aus sowjetischen Reihen in besonderem Maße förderte. Das führte dazu, daß die Sowjetunion über einen überwältigenden Anteil an der Weltspitze verfügte. Dies drückte sich darin aus, daß von 1948 bis zum Jahr 2000 mit Ausnahme von Bobby Fischer sämtliche Weltmeister der Sowjetunion oder einer Sowjetrepublik entstammten.

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